Bioabfall

Jens Ohde

Geschäftsführer, Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung, Kummerfeld

Biomüll ist ein wertvoller Rohstoff. Wichtig ist, dass er sortenrein getrennt wird. Daher werben wir mit unserer Kampagne „#wirfuerbio“, dass die Bürgerinnen und Bürger kein Plastik und auch keine kompostierbaren Plastiktüten in die Biotonne werfen.

Bildquelle: Gab

Dr. Hubert Seier

Geschäftsführer, DSC GmbH Selm Vorsitzender VKU Fachausschuss Biologische Abfallbehandlung

Wer heute eine nachhaltige Klima und Ressourcen schonende Kreislaufwirtschaft umsetzten will, muss sich intensiv um eine getrennte Sammlung von Bio- und Grüngut und weiteren Biomassen bemühen.

Kommunale Abfallwirtschaftsbetriebe entwickeln ganzheitliche Konzepte für die optimale Nutzung von Bioabfällen: von der Kampagnenarbeit über die Sammlung bis hin zur Verwertung. Das ermöglicht es, aus dem früher klimaschädlichen Abfall wertvollen Dünger und Energie herzustellen – und damit pro Jahr fast 30 Millionen Tonnen CO2 einzusparen.

Möglich machen das Anlagen, in die die Kommunen massiv investiert haben: vor allem Biogas- und Kompostierungsanlagen sowie Biomasseheizkraftwerke.

Kompostierungs- und Biogasanlagen liefern wertvolle Komposte und Gärreste für Landwirtschaft oder Garten. Diese sind reich an langlebigen Stick- und Kohlenstoffen, bieten Insekten einen hervorragenden Lebensraum und erhöhen die Fähigkeit des Bodens, Feuchtigkeit zu speichern – vor dem Hintergrund, dass wir uns auch in Deutschland auf immer mehr und längere Trockenperioden einstellen müssen, eine besonders wertvolle Eigenschaft.

Doch Bioabfall kann nicht nur die Bodenqualität verbessern, auch als Energieträger ist er interessant: Biomasseheizkraftwerke produzieren Strom und Wärme, in Biogasanlagen entsteht Gas. Kommunale Wertschöpfungsketten und Infrastrukturen machen es möglich, dass mithilfe von Küchen- und Gartenabfällen Elektroautos betankt, Wohnungen beheizt und Betriebe mit Strom versorgt werden. Die Berliner Stadtreinigung etwa gewinnt in ihrer Vergärungsanlage (neben flüssigen und festen Gärresten) Gas und betankt damit 160 Müllfahrzeuge. Diese transportieren über die Hälfte des Berliner Restmülls und Bioabfalls: klimaneutral und rußfrei.

Im Bioabfall steckt noch mehr Potenzial, das genutzt werden sollte. Seit Jahren arbeiten die Kommunen daher kontinuierlich am Ausbau der Bioabfallsammlung. Mit Erfolg: Allein 2017 haben sie 10,3 Millionen Tonnen gesammelt – das entspricht 124 Kilogramm pro Einwohner – und ist so viel wie nie zuvor.

Eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Bioabfallverwertung ist, dass die Bürgerinnen und Bürger den Müll sortenrein trennen. Ein unverzichtbarer Baustein ganzheitlicher kommunaler Konzepte ist daher die Öffentlichkeitsarbeit. In regionalen und überregionalen Kampagnen werben die Kommunen für sortenreines Trennen. Die Botschaft: Bioabfalltrennung ist ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz. Aber: Plastik, Glas oder Metalle haben in der Biotonne nichts verloren!

Wie Bioabfall zunehmend eine Stütze für Energiewende und Sektorkopplung wird, sehen Sie auf folgender Grafik im Detail.

Fast 30 Mio. Tonnen CO₂...

spart die Verwertung von Bio- und Grüngut statt der früher üblichen Deponierung. 10,3 Millionen Tonnen Bio- und Grüngut haben die Kommunen 2017 eingesammelt.

Das entspricht 124 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Im Vergleich zu 2012 ist das eine Steigerung um 12%.

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Richtig entsorgen: Trennhilfen für den Alltag

1. Sortenrein trennen

Plastik, Glas oder Restabfall hat in der Biotonne nichts zu suchen. Auch Verwertungsanlagen, die auf dem neusten Stand der Technik sind, können viele Störstoffe nicht mehr rausfiltern.

2. Feuchte Bioabfalle in Altpapier einwickeln

Eher kleine Behälter für die Sammlung in der Küche verwenden und diese mit Papier auslegen. Nach Möglichkeit unbedrucktes und unbeschichtetes Altpapier verwenden, um feuchte Abfälle darin einzuschlagen – ein wenig Zeitungspaper geht aber auch.

3. Kaffeefilter oder Teebeutel vorher ausdrücken

Kaffeefilter, -pads oder Teebeutel vorher ausdrücken oder z. B. im Ausguss der Spüle abtropfen lassen. Keine größeren Mengen Wasser in die Tonne kippen. Grasschnitt u. ä. vor dem Einfüllen etwas trocknen lassen.

4. Im Winter dickeres Papier verwenden

Im Winter dickeres oder etwas mehr Papier verwenden. Bei Bedarf, d. h. wenn nasser Bioabfall anfällt, auch die Biotonne am Boden oder zwischendurch mit einer Lage Knüllpapier oder, falls vorhanden, Holzspänen füllen. Nicht zur Eislockerung gegen die Tonne schlagen.

5. Im Sommer: Deckel drauf

Besonders im Sommer sollte die Biotonne immer geschlossen bleiben, damit sich keine Fliegen oder sonstige ungebetene Gäste im Biomüll einrichten.

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